Von Subjektivität und Sozialität, jüdischer Geschichte und rabbinischer Literatur

Diese Woche haben wir uns im Seminar zu „Subjektivität und Sozialität“ bei Prof. Dr. Dierken mit der Verhältnisbestimmung von Religion und Politik beschäftigt. Angefangen haben wir mit Ansätzen von Kant, Schleiermacher und Hegel. Danach sind wir weitergegangen zu der Differenzierung (oder eben nicht Differenzierung) von Religionswissenschaft und Theologie in der Entwicklung eines Religionsbegriffs und der Bedeutung des Monotheismus. Geschlossen haben wir mit Überlegungen über die Möglichkeit einer christlichen Perspektive der Geschichte. Dieser Überblick hat zu vielen neuen Denkansätzen angestoßen und uns die systematische Bedeutung unseres Jahresthemas „Religion zwischen Mystik und Politik“ näher gebracht.

Sehr gefreut haben wir uns auch über das Treffen mit Georg Röwekamp, dem Leiter des Jerusalem-Büros des DVHL (Deutscher Verein vom Heiligen Lande), im Paulushaus, denn es gehörte eigentlich zu den Einführungsveranstaltungen des Studienjahrs. Jetzt kann es also offiziell, noch offizieller als vorher, losgehen.

Weiter ging die Woche mit den ersten beiden englischsprachigen Dozenten, Dr. Alick Isaacs und Ophir Yarden, die uns in die neue und auch herausfordernde Welt der rabbinischen Texte und des jüdischen Geschichtsverständnisses eingeführt haben. Dabei ist uns die andere Unterrichtsweise besonders aufgefallen, die interaktiv zum Mitmachen einlädt und Mitschriften schwer macht, wodurch die Sitzungen sehr kurzweilig sind.

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Nachtrag zum Besuch der pilgernden Bischöf*innen

Nachdem bestimmt alle, die unser Studienjahr verfolgen, einen der einschlägigen Artikel über die Pilgerreise der deutschen Bischöf*innen gelesen haben, kommt hier noch eine Beschreibung der Begegnung aus unserer Sicht.

Samstag, den 22. Oktober, haben wir, nach einem gemeinsamen Morgengebet und einer kurzen Vorstellung der beiden Studienprogramme, unserem und Studium in Israel, die Chance bekommen uns in Kleingruppen mit den Bischöf*innen und Delegierten auszutauschen. Leider war die Zeit viel zu kurz und wir konnten viele Themen nur kurz anschneiden, denn nach einer halben Stunde folgte bereits die Kaffeepause und der ökumenische Abschlussgottesdienst der Pilgerreise.

Durch persönliche Erfahrungen und gemeinsame Gottesdienstfeier entsteht für die Bischöf*innen und uns Studierenden ein neuer Zugang zur Ökumene, deshalb wäre es wünschenswert diese Erfahrungen und neu gesetzten Impulse fortzuführen.

Sehr zur Lektüre empfiehlt sich ein Artikel über die Pilgerreise mit Interview zweier Studierender von uns: http://www.dw.com/de/bisch%C3%B6fe-entdecken-die-%C3%B6kumene-neu/a-36122086?maca=de-Facebook-sharing

… oder auch der Beitrag des ARD-Studios in Tel Aviv: https://www.tagesschau.de/videoblog/nahost_ganz_nah/oekumene-israel-101.html

Wen es nach mehr Bildern verlangt, der ist mit der Galerie der Dormitio (http://www.dormitio.net/aktuelles/fotos/showGalerie/index.html?entry=galerie.93) sehr gut beraten. 🙂

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Ein kleines Fotoupdate

Nachdem wir die letzten Tage seit der Exkursion wieder fleißig im Hörsaal verbracht haben hier zum Ende der akademischen Woche, auch wenn heute Nachmittag noch Prüfungen ausstehen, ein kleines Fotoupdate von uns:

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Heute Abend müssen wir uns leider schon wieder von einem der Dozenten dieser Woche, Prof. Dr. Doering, verabschieden, aber Morgen wartet das Treffen mit der ökumenischen Pilgergruppe auf uns, das sicher sehr spannend wird. (Mehr dazu unter http://www.dbk.de/themen/oekumenische-pilgerreise/ )

P.S.: An alle fleißigen Blogleserinnen und -leser: Auch Lara schreibt unter http://laraajerusalem.tumblr.com/ fleißig über unsere Aktivitäten und Erfahrungen!

Die Exkursion nach Qumran und En Gedi

Auch wenn die neue Woche erst gerade angefangen hat, liegen schon wieder zwei ereignisreiche Tage hinter uns.

Montag hieß es: Kommen und Gehen. Wir haben uns über den Beginn der nächsten Veranstaltung, der Vorlesung bei Prof. Dr. Doering zum Thema „Der Sabbat ist um des Menschen willen geworden“, gefreut, manche haben ihre Prüfung zum Martyrium abgelegt, das Referat von Thomas als Einführung zu den Funden in Qumran gehört und abends haben wir uns in geselliger Runde von Herrn Siebenrock verabschiedet.

Heute ging es dann (endlich?) wieder auf Exkursion. In Qumran angekommen wurden wir von Herrn Doering in die verschiedenen Interpretationsprobleme der dortigen Funde eingeführt und durch die Siedlung geführt. Von Qumran fuhren wir in das nahe gelegene En Gedi, wo wir nach einer kleinen Wanderung eine Baustruktur besichtigt haben bei der es sich wahrscheinlich um ein chalkolitisches Heiligtum handelt.

Nachdem diese Lernziele erreicht waren, hatten wir Gelegenheit uns selbst noch ein bisschen umzuschauen, die alte Synagoge En Gedis anzuschauen und die Füße in einen der Quellbäche zu halten.

Auf dem Rückweg haben wir noch bei der Höhle 11, einer der Höhlen in denen sich die berühmten Schriftfunde befanden, gehalten und sie kurz besichtigt.

Gut ins Beit Josef zurückgekehrt, werden wir den Abend nun für intensive Regeneration und Nachbereitung der Erfahrungen nutzen.

Eine Woche zwischen Abendmahl, Jom Kippur und Martyrium

 

Diese Woche hatte wieder sehr viel Programm für uns zu bieten und ist im Rückblick wieder schnell verflogen und plötzlich ist wieder Freitag und wir verabschieden die Dozenten, die uns die letzten zwei Wochen begleitet haben.

Da das Programm so gut gefüllt war, hat die folgende kurze Darstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit und zeigt nur ein paar Höhepunkte auf.

Montag begann die Veranstaltung zum christlichen Martyrium bei Prof. Dr. Siebenrock, die uns alle, besonders die evangelischen Studierenden, sehr irritiert hat. Märtyrer als Blutzeugen ihres Glaubens üben seit den Anfängen des Christentums eine Faszination aus. Kaum haben wir angefangen ist die Veranstaltung aber auch schon vorbei und lässt uns alle mit Fragen zurück. Wer ist ein Märtyrer? Welche Kriterien können wir für ein Martyrium finden? Wie kann es ein Erinnerungs- oder Verehrungskultur geben, die auch für evangelische Christen nachvollziehbar ist?

Am Montagabend haben wir uns gemeinsam ein wenig der Jordanienexkursions-Erinnerung hingegeben, gemeinsam gesungen, Tee getrunken und Bilder angeschaut. Besonders zu betonen ist hier das von Jan-Niklas und anderen verfasste Wadi-Hesa-Lied zu der Melodie von „Von den blauen Bergen kommen wir“ (das-wadi-hesa-lied ). Doch nach der Exkursion ist im Studienjahr auch immer vor der Exkursion: die Vorbereitungen für die Galiläaexkursion im November haben schon begonnen – die ersten Listen hängen aus.

Die Mitte der Woche war von Jom Kippur und den gemeinsamen Synagogenbesuchen und der Fortführung der angefangenen ökumenischen Überlegungen zum Abendmahl geprägt. Daran schloss die Antrittsvorlesung unseres Dekans Prof. Dr. Ulrich Winkler am Donnerstag sehr gut an, in der er sich intensiv mit der Prägung des Studienjahrs als ein Ort des ökumenischen Lernens beschäftigt hat.

Ökumenische Überlegungen zum Thema „Abendmahl und Eucharistie“ mit Frau Prof. Dr. Nüssel und Frau Prof. Dr. Sattler

Transsubstantiation? Konsubstantiation? Mahlgemeinschaft? Realismus oder Symbolismus?

Die erste Woche unserer intensiven ökumenischen Beschäftigung mit der Abendmahlslehre der katholischen, lutherischen und reformierten Kirchen liegt hinter uns und, wenn wir bereits etwas gelernt haben dann, dass sich dieses dogmatische Thema schlecht eingrenzen lässt und unsere Diskussion schnell auch zu christologischen und sakramentaltheologischen Fragen gewandert ist.

Und wie könnte es anders sein? „Das ist mein Leib.“ – im Prinzip ein einfacher Satz bis man anfängt darüber nachzudenken, welche Seinwirklichkeit oder welches Präsensverständnis man annimmt.

Diese Woche haben wir uns bereits mit den biblischen Grundlagen der Feier und den verschiedenen Denkmodellen der Geschichte von Ambrosius bis heute beschäftigt und uns im Anschluss gefragt: Sind die bleibenden Differenzen immer noch kirchentrennend? Und wenn nicht, was bedeutet das für unsere Ökumene?

Mit diesen und vielen weiteren spannenden Fragen, die aufgeworfen wurden, starten wir heute Nachmittag ins Wochenende und freuen uns auf die nächste Woche und die zweite Hälfte des Seminars.